Pferdethermografie


Da ich mich sehr für das Wissen rund ums Pferd begeistern kann und gerne auch Dinge handfest sehen kann, beschäftige ich mich schon länger mit den Möglichkeiten, die die Thermografie für den Reiter und Pferdefreund bietet. Von Komplett Checks der Muskulatur und des Bewegungsapparates,  über Berührungsempfindlichkeiten und Lahmheitsdiagnostiken gibt es eine große Bandbreite an Auffälligkeiten, die die Wärmebildkamera aufzeigen kann. Nach einer Sattelpasskontrolle mit Hilfe der Pferdethermografie, weißt du, ob dein Sattel wirklich passt. Ein Sattler kann den Sattel im Stand gut anpassen, in der Bewegung allerdings nicht drunter fassen. So können die angefertigten Bilder der Thermografie auch hier noch Verbesserungen möglich machen. 

Diese Methode ist non-invasiv und für das Pferd völlig stress- und strahlungsfrei. Es bleibt in seinem gewohnten Umfeld und braucht weder Sedierung noch sonst irgendwelche Medikamente. Als Thermografin muss ich das Tier nicht einmal anfassen, sodass diese Methode auch für scheue, sensible Tiere geeignet ist. Ich benötige lediglich einen neutralen Hintergrund. Zudem sollte das Tier vorher in Ruhe sein, sodass die Bilder nicht durch entstandene Wärme durch Bewegung und Training verfälscht werden.  Genauere Infos gebe ich gerne direkt persönlich, wer sich dafür interessiert, ruft mich einfach an.

 

50-60 standardisierte Aufnahmen des Pferdes. Völlig stressfrei in seinem gewohnten Umfeld. 

Beispiele meiner Arbeit


Akute Hufgelenksentzündung

Aufnahme vom 15.12.2018

 

Das Pferd lahmte zum Aufnahmedatum bereits seit 5Tagen nachdem er sich an der Longe bei der Stangenarbeit gestoßen hatte. Er wurde bereits einer Tierärztin vorgestellt und erhält zum Zeitpunkt der Aufnahme bereits Schmerzmittel und Entzündungshemmer und hat Boxenruhe. 

Deutlich zu sehen ist im Bereich des rechten Hinterhufes / Hufgelenks eine großflächige Wärmequelle, mit stellenweise bis zu 7°C Temperaturunterschied zum linken Hinterhuf. Auf verschiedenen Bilder ist deutlich zu erkennen, dass es nicht an der Sohle (z.B. wie bei einem Verdacht einer Lederhautreizung) liegt und die Entzündung sich lediglich an der Innenseite des Hufes befindet (somit ist eine Hufrehe auszuschließen). Es konnten sonst am Pferd keine thermischen Auffälligkeiten lokalisiert werden, sodass die Diagnose der Tierärztin mit der Thermografie untermauert wird. Das Pferd bleibt weiterhin in Boxenruhe und ich werde den Behandlungsverlauf wöchentlich dokumentieren. Ich bin schon sehr gespannt, wie sich der Heilungsprozess zeigen wird. 


Aufnahme vom 22.12.2018

 

Hier nochmal die Hinterhufe eine Woche später, aufgenommen am 17.12.2018 .

Die Temperaturdifferenz von rechtem und linken Hinterhuf beträgt nur noch 1,8°C. Das Pferd belastete schon wieder deutlich gleichmäßiger. Zu diesem Zeitpunkt hielt er noch Boxenruhe mit zweimal täglich 15 min Schritt auf hartem Boden. 



Auswirkung Ungleichmäßiger Bemuskelung

Aufnahme 17.12.2018 zur Trainingsbegleitung

 

Auf dieser Aufnahme ist zu erkennen, dass jeweils der linke Vorderhuf und Hinterhuf deutlicher und großflächiger erwärmt sind als ihre Gegenspieler auf der rechten Seite. Die Temperaturdifferenzen lagen jeweils bei ca. 2 °C, was für mich bereits einen Befund darstellt. 

Bei der genauen Betrachtung des Pferdes im Stand war zu erkennen, dass die Bemuskelung entlang der Oberlinie, aber auch seitlich im Bereich des Rippenbogens und über dem Ellenbogen Asymmetrien aufwieß. 

Da ich Pferd und Reiter ja nun immer erst bei einem Termin kennenlernen kann, ist es dann schwierig, direkt die Ursache auszumachen. 

Speziell in diesem Fall berichtete die Besitzerin von einem Unfall im letzten Winter, bei dem das Pferd mit der Hinterhand auf Asphalt weggerutscht war und auf der Seite gelandet ist. Seitdem gestaltete sich das Training schwieriger und die Asymmetrie ließ sich kaum ausgleichen, was sich in deutlichen Rittigkeitsunterschieden von rechter und linker Hand besonders in den Seitengängen und im Galopp zeigte. Meine Empfehlung in diesem Fall war eine Behandlung durch einen Osteopathen oder Physiotherapeuten, um eventuelle Dysbalancen im Bewegungssystem zu lösen, sowie eine Kontrolle des Sattels, um sicherzustellen, dass dieser sich nicht verzogen hat. 

Auch hier bin ich gespannt, das Pferd in einigen Wochen oder Monaten wiederzusehen und festzuhalten, wie es sich entwickelt hat. 


Noch ein paar bunte Bilder Für euch

Die Therapieverlaufskontrolle nach Verletzungen ist ein besonders spannender Bereich der Pferdethermografie, finde ich jedenfalls. 

Manchmal ist es wortwörtlich "krass" zu sehen, wie sehr der Körper noch mit Verletzungen, Überlastungen oder Narben zu tun hat. Da bei sämtlichen Veränderungen an der regulären Gewebestruktur Stoffwechselprozesse in Gang sind, entsteht an den jeweiligen Arealen Wärme, die ich mit Hilfe meiner Kamera sichtbar machen kann. So kann man z.B. sehr gut kontrollieren, wie weit eine Sehnenverletzung tatsächlich abgeheilt ist, bevor man das Training wieder aufnimmt. Oder auch die Thermografie begleitend einsetzen, um zu sehen, wie gut die verletzten Sehnen das beginnende Training aushalten oder ob doch noch mehr Pause benötigt wird. Auch bei Hufrehe, nach Operationen oder nach Stürzen kann die Thermografie hilfreich sein, um verborgene "Wehwehchen" zu lokalisieren und dem Pferd zu helfen, bevor es durch Schonhaltungen des Körpers zu einer dauerhaften Schiefhaltung, Verspannungen oder frühzeitigem Gelenkverschleiß kommt. 


Diese Bilder zeigen einen Wallach mit Sehnenschaden hinten rechts nach Überlastung. Auf den Aufnahmen bereits 2,5 Monate alt, das Pferd wird wieder geritten (im Schritt) und darf auch bereits wieder auf die Koppel. Allerdings ist hier deutlich zu sehen, dass noch Stoffwechselprozesse im Gewebe stattfinden und die Verletzung noch nicht ausgeheilt ist. 

Auf diesen Thermogrammen ist ein Wallach mit Durchblutungsstörungen im linken Hinterbein nach erfolgter Operation am Knie aufgrund von Kniebandanriss und Knorpelschaden zu sehen. Hier wurde der Besitzerin empfohlen, die OP Narbe entstören zu lassen und das Pferd gegebenenfalls physiotherapeutisch begleiten zu lassen.